Vorlesung:
Grundlegende Fertigkeiten für die wissenschaftliche Arbeit

von Arnd Baumann und Stephan Frings

I. Irrtum, Fälschung und Betrug in der Wissenschaft    (INHALT)
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Vorsätzliche Täuschung

Vorsätzliches Verändern von Daten oder das Herstellen von Scheindaten setzt die Absage an alle wissenschaftliche Ethik voraus - sie ist eine widersinnige, absurde Tätigkeit für einen Forscher, und dennoch kommt sie nicht selten vor. Ein Grund dafür könnte sein, daß es sehr einfach ist, Daten zu verändern. Die meisten Messdaten werden heute in Rechnern verarbeitet; Diagramme, Fotos, Chromatogramme, Proteingele, Stromregistrierungen: so gut wie alle Rohdaten werden mit Computerprogrammen bearbeitet und können leicht verändert werden. Beispiele aus dem Bereich der digitalen Bildverarbeitung können Sie sich hier anschauen. Der Übergang von der zulässigen zur unzulässigen Bearbeitung von Daten ist manchmal nicht leicht zu erkennen. Aber vorsätzliche Täuschung, die Publikation nicht gemessener Daten, ist ein eindeutiges und nicht zu rechtfertigendes Fehlverhalten.
 
Vorsätzliche Täuschung im Kleinen
 
Ein Biochemiker mißt die Aktivität eines Enzyms und erwartet eine lineare Abhängigkeit innerhalb eines bestimmten Bereiches der ATP-Konzentration. Nur ein Punkt fällt aus der Reihe.
 
Der Forscher denkt: "Da habe ich wohl etwas ungenau pipettiert..." und verschiebt den Punkt bis zur erwarteten Linie. Er macht sich der vorsätzlichen Täuschung schuldig.
 
Dieser Vorgang wird oft verharmlosend "Glätten" bezeichnet, ist aber - wenn die Daten veröffentlicht werden - eine Täuschung.
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Vorsätzliche Täuschung im Großen
 
Ein Beispiel aus dem Fall Herrmann/Brach, dem wohl größten Betrugsfall in den letzten Jahren. Schon eine oberflächliche Untersuchung dieser Autoradiogramme zeigt die Datenfälschung: Das Bild ist aus gleichen Abbildungsteilen zusammengesetzt worden, die hier durch Rahmen gekennzeichnet sind. Die nebeneinander angeordneten Dreiergruppen von Banden bei Protein 2 zB sind identisch, sollen jedoch unter verschiedenen experimentellen Bedingungen gewonnen worden sein. Die gleiche Dreiergruppe taucht bei Protein 3 wieder auf, obwohl sie von einem ganz anderen Protein stammen sollen.
 
Aus dem Abschlußbericht der Task Force F.H. der Deutschen Forschungsgemeinschaft vom 6.Juni 2000
(PDF)
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