von Arnd Baumann und Stephan FringsI. Irrtum, Fälschung und Betrug in der Wissenschaft (INHALT) |
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| Erwartungshaltung birgt Gefahr | Beispiele: Der Parallaxe-Irrtum Der kluge Hans |
Wie sehr die Erwartungshaltung des Versuchsleiters den Ausgang eines Experimentes beeinflussen kann,
hat der Psychologe Robert Rosenthal sehr eindrucksvoll nachgewiesen. Er ließ seine Studenten zwei
Gruppen von Ratten untersuchen: Von der einen Gruppe behauptete er, sie besäßen nach einem
ausgefeilten Züchtungsprogramm eine ungewöhnlich gut ausgeprägte Orientierungsfähigkeit.
Diese "labyrinthkompetenten" Tiere sollten bei Orientierungsversuchen in einem Labyrinth
besonder gut abschneiden - weit besser als Kontrolltiere, die nicht aus dem Züchtungsprogramm stammten.
Die Studenten testeten die Ratten im Labyrinth und, wie sie erwartet hatten: Die "labyrinthkompetenten" Ratten
fanden sich im Labyrinth schneller zurecht als die Kontrolltiere.
Tatsächlich aber gehörten sowohl "labyrinthkompetente" als auch Kontrolltiere der gleichen Standardrasse an. Der einzige Unterschied zwischen Test und Kontrolle lag darin, daß die Studenten von den angeblich auf Hochleistung gezüchteten Testtieren mehr erwarteten als von den "dummen" Kontrolltieren. Wie aber hat sich diese Erwartung in Messdaten niedergeschlagen? Möglich ist, daß einige Studenten Messergebnisse, die nicht ihren Erwartungen entsprachen, verworfen haben. Vielleicht sind aber auch subtilere, unbewußte Faktoren für die Verzerrung der Daten verantwortlich. Vielleicht wurden die "labyrinthkompetenten" Ratten etwas besser behandelt und dadurch zu höheren Leistungen animiert; vielleicht wurde die Stoppuhr bei den "klugen" Tieren eine Idee günstiger gehandhabt als bei den "dummen". Wie auch immer die besseren Werte der "labyrinthkompetenten" Ratten entstanden sind: Die Studenten haben - ohne ihr Wissen - den Ausgang des Experiments bestimmt. Rosenthal, R. (1966) Experimenter Effects in Behavioral Research. Appleton-Century-Crofts, New York Bild: Spektrum der Wissenschaft, 7/2000 |