von Arnd Baumann und Stephan FringsI. Irrtum, Fälschung und Betrug in der Wissenschaft (INHALT) |
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| Verführung durch die Lieblingshypothese |
Dieses Problem ist eine fast alltägliche Erfahrung vieler Wissenschaftler. In einigen Fälle aber haben sich Lieblingshypothesen sogar zur nationalen Folklore entwickelt - obwohl sie grundfalsch waren. Eines der berühmtesten Beispiele ist der Piltdown Mensch. Ort der Handlung: eine Kiesgrube in den Piltdown Commons in der Grafschaft Sussex; Zeit: 1908-1912. Das viktorianische England ist auf der Höhe seiner Macht. Nur in der Frühgeschichte kann England nicht mithalten. Alle europäischen Funde von menschlichen Skeletten, Malereien und Werkzeugen aus dem Paläolithikum stammen aus Frankreich und Deutschland. Sollte der erste Europäer kein Engländer gewesen sein? Eine deprimierende Vorstellung... Da findet der Amateurgeologe Charles Dawson bei Piltdown Knochenfragmente, die sein Freund, der Paläontologe Arthur Smith Woodward für Teile eines frühmenschlichen Schädels hält. Großbritannien hatte seinen Urmenschen und zudem ein Bindeglied zwischen Affe und Mensch - eine nationale und wissenschaftliche Sensation! Obwohl einige Jahre später klar wurde, daß die Fragmente des Piltdown-Menschen in einem Täuschungsversuch ("hoax") in die Kiesgrube gebracht worden waren, und obwohl die Knochenfragmente keineswegs von einem Urmenschen stammen konnten, hielt sich bis in die fünfziger Jahre die schöne Theorie, daß der erste Europäer - vielleicht sogar der erste Mensch überhaupt - ein Brite gewesen ist. |
Am Beispiel des Piltdown-Menschen kann man die Verführung durch die Lieblingshypothese sehr schön darstellen. - Unwissenschaftliche Aspekte einer Hypothese spielen eine wichtige Rolle - Eine fast unfassbare Leichtgläubigkeit befällt selbst erfahrene Wissenschaftler - Kontrollversuche werden unterdrückt, um die Hypothese nicht zu gefährden - Reputation und Karriere einzelner Wissenschaftler werden an die Gültigkeit einer Theorie gekoppelt |