Vorlesung:
Grundlegende Fertigkeiten für die wissenschaftliche Arbeit
von Arnd Baumann und Stephan Frings
I. Irrtum, Fälschung und Betrug in der Wissenschaft(INHALT)
Kontrollmechanismen
Selbstkontrolle
Irrtum und Selbstbetrug zu verhindern wird nur Forschern gelingen, die Wachsamkeit und Sorgfalt bei der
Durchführung von Experimenten und bei der Interpretation ihrer Meßdaten anwenden. Die großen
deutschen Wissenschaftsorganisationen haben Richtlinien erarbeitet, die Wissenschaftler bei Ihren Bemühungen
um gute Forschung unterstützen sollen:
Hier werden einige der wichtigsten Punkte schlagwortartig zusammengefasst:
Kenne deine Methode!
Messergebnisse richtig beurteilen kann nur der, der die Meßmethode genau versteht.
Traue deinen Daten!
Dies kann nur derjenige, der die Meßmethode versteht, die Reproduzierbarkeit seiner
Ergebnisse überprüft hat, und die Meßfehler abschätzen kann.
Mißtraue deinen Hypothesen!
Hypothesen sind grundsätzlich unvollständig und nur solange brauchbar, bis sie
entweder widerlegt oder erweitert werden können. Skepsis gegnüber Hypothesen -
besonders den eigenen - ist der wichtigste Schutz vor Selbstbetrug.
Diskutiere deine Ergebnisse!
Jede Gelegenheit zur Diskussion der eigenen Daten, Konzepte und Hypothesen sollte man
nutzen, um Denkfehler und Irrtümer möglichst früh zur erkennen.
Archiviere und dokumentiere Rohdaten!
Unbearbeitete Daten sind der Rohstoff für die wissenschaftliche Arbeit. Ein gutgeordnetes
Archiv ist ein unverzichtbares Hilfsmittel für zuverlässige Forschungsarbeit.
Es liegt in der Verantwortung jedes Wissenschaftlers, diese Richtlinien zur Vermeidung von Irrtum und Selbstbetrug
einzusetzen. Das Resultat seiner Bemühungen wird dann durch die wissenschaftliche Gemeinde überprüft.
Kontrolle durch die wissenschaftliche Gemeinde
Das System der Wissenschaftsförderung und der wissenschaftlichen Publikation basiert auf der Überprüfung von
Forschungsanträgen und Manuskripten durch Fachgutachter und Rezensenten, die im gleichen
Forschungsbereich arbeiten. Dieses Selbstüberprüfungssystem ("Peer-Review-System") hat
sich gut bewährt als Mittel zur Wahrung eines hohen Qualitätsstandards in der Wissenschaft.
Allerdings ist es nicht dazu da, Irrtum und Selbstbetrug einzelner Wissenschaftler zu erkennen. Die Aufgabe der Gutachter
ist es vielmehr, die Bedeutung und Qualität von Forschungsprojekten zu beurteilen. Da sie im allgemeinen
keinen Zugang zu Rohdaten haben, sondern nur zu Ergebnissen, die von den Forschern selbst für ihre Publikation ausgewählt und verarbeitet worden
sind, können sie nur wenig dazu beitragen, Irrtum und Selbstbetrug zu vermeiden. Die lange Geschichte
vorsätzlicher Täuschung in der Wissenschaft ist ein beredtes Dokument für die Grenzen
der Überprüfung von Wissenschaftlern durch Wissenschaftler.
Der Kampf gegen Irrtum, Selbstbetrug und Fälschung wird also in der Arbeitsgruppe eines jeden Forschers
ausgetragen und muß gewonnen sein, bevor Ergebnisse zur Publikation gelangen.