Vorlesung:
Grundlegende Fertigkeiten für die wissenschaftliche Arbeit
von Arnd Baumann und Stephan Frings
III. Planung und Durchführung von Experimenten(INHALT)
Vom Projekt zum Experiment
Jedes Experiment ist eingebettet in ein System von Vorwissen, Hypothesen und Mutmaßungen, und
die Qualität des Experiments hängt entscheident davon ab, wie gut der Wissenschaftler mit diesem
theoretischen Umfeld vertraut ist. Um gute Forschung machen zu können, müssen Wissenschaftler Überlegungen zu drei Ebenen
ihrer Arbeit anstellen:
Ist meine Arbeithypothese gut? Lohnt sich die Forschungsarbeit?
Ist das Forschungsprojekt gut organisiert und aussichtsreich?
Kann mein Experiment eine Antwort auf meine Fragestellung liefern?
Die Wissenschaftsgeschichte gibt viele Beispiele dafür, wie unverzichtbar eine realistische Berurteilung dieser drei
Grundaspekte wissenschaftlicher Arbeit sind. Ein besonders anschauliches ist die Falschinterpretation
anthropologischer Beobachtungen in Samoa durch Margaret Mead.
Einige Kriterien:
Hypothesen: die Grundlage der wissenschaftlichen Arbeit
Ist die Hypothese so interessant, daß sich der Forschungsaufwand lohnt?
Auf welchen Annahmen basiert die Hypothese?
Ist die Hypothese überprüfbar?
Ist die Gegenhypothese überprüfbar?
Das Projekt: Forschungsvorhaben aufgrund bestehender Hypothesen
Ist das Projekt geeignet, die Arbeitshypothese zu überprüfen?
Können innerhalb eines vernünftigen Zeitrahmens Ergebnisse erwartet werden?
Stehen die benötigten Methoden zur Verfügung?
Sind die finanziellen und technischen Voraussetzungen für das Projekt gegeben?
Das Experiment - je genauer die Frage desto besser die Antwort
Welche Frage soll experimentell geklärt werden? In welchem Verhältnis steht sie zur Hypothese?
Ist die Frage so eng definiert, daß bei jedem Experiment ein Ergebnis zu erwarten ist?
Wird die geeignete Methode eingesetzt?
Sind die Resultate durch Kontrollen und statistische Analysen abgesichert?
Wie verändert das Resultat des Experiments die Hypothese?